Göttinger Centrum für Geschlechterforschung

GCG_LogoDas GCG ist eine interdisziplinäre Einrichtung der Georg-August-Universität Göttingen, die das Ziel verfolgt, Forschungsaktivitäten im Bereich der Geschlechterforschung am Göttingen Campus zu befördern.

Auf den folgenden Seiten finden Sie nähere Informationen zu unseren Aktivitäten, Zielen und Aufgaben. Einige interessante Informationen über uns finden Sie auch in unserem GCG-Info-Flyer (auf deutsch oder auf englisch).


News


Wissenschaftspreis Niedersachsen

Mit dem Wissenschaftspreis Niedersachsen werden seit 2007 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler niedersächsischer Hochschulen ausgezeichnet, die sich durch wissenschaftliche Exzellenz und ebenso in herausragender Weise um die Hochschulentwicklung verdient gemacht haben. Auch Studierende, die hervorragende Leistungen im Studium erbringen oder sich besonders engagieren, werden durch die Auszeichnungen gewürdigt. In folgenden vier Kategorien werden Persönlichkeiten geehrt: Wissenschaftler/-in, Nachwuchswissenschaftler/-in, Lehrpreis und Studierende.

Da die Hochschulleitung als Nominierungsberechtigte eine Auswahl aus den eingegangenen Vorschlägen treffen muss, können bis Ende März 2019 Personen, zunächst mit einer kurzen Begründung für die Vorauswahl, vorgeschlagen werden. Senden Sie Ihre Vorschläge bitte an Herrn Krüger aus der Abteilung Forschung, der Ihnen auch für Rückfragen zur Verfügung steht (Tel. 39-28249, E-Mail jens-peter.krueger@zvw.uni-goettingen.de).


"Contested Kinship: Towards a Redefinition of Human Relations"
- Conference in Göttingen | March 14 - 16, 2019


plakat_contested kinship_klein Throughout Western history and legal traditions, kinship has been firmly rooted within the bounds of blood relations. This naturalisation of kinship continues in modern technologies: genetic research projects such as the Human Genome Project and technologies such as DNA kinship analysis extend the concept of blood relations from the unit of the family to that of ethnic groups. Legal regimes equally tend to the privileging of genetic relations, even today. From a Cultural Studies perspective, this is highly problematic: it points towards an essentialist understanding of kinship, predetermined by birth; it naturalises subjecthood based on genetic bonds and genealogy; it attributes symbolic value to a concept of genetic sameness rather than diversity; and it supports the family as a key site of power and discipline.

Arguments for a non-essentialist redefinition of kinship have been put forward from a number of fields, including philosophy, gender studies, literary and cultural studies, and cultural anthropology. Judith Butler (2004) reads kinship as a problematic allegory for the origin of culture, arguing for an understanding of kinship beyond the normative restraints of biological relations. Similarly, Donna Haraway (1995) takes a dim view of the historically fatal consequences of blood-based kinship. However, the attraction of the genealogical origin is not limited to patriarchal narratives. Margaret Homans (2013) has looked at origin stories in adoption narratives and pointed to the paradoxical situation of feminism which on the one hand advocates non-essentialist, non-nuclear, non-heteronormative forms of kinship, and on the other hand acknowledges the power of the particular relation between birthmother and child. Damien Riggs and Elizabeth Peel (2016) finally have staked out the field of critical kinship studies and formulated its focus as “the need to move beyond a humanist account of kinship”.

This conference aims at following this premise, and seeks to further research in the field of critical kinship studies by bringing together different disciplinary perspectives into a cultural hermeneutic approach. It invites contributions from a variety of academic fields, including anthropology, history, law, literary studies and others.


Verwandtschaft neu denken: Erfolg für interdisziplinäres Projekt im Landesprogramm „Zukunftsdiskurse“

verwandtschaft neu denken Prof. Dr. Inge Kroppenberg, Dr. Nikolaus Linder von der Juristischen Fakultät und die Anglistin und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Schaff von der Philosophischen Fakultät haben sich erfolgreich im Landesprogramm „Zukunftsdiskurse“ profiliert. Ihr interdisziplinäres Projekt „Verwandtschaft neu denken“, das sie als Mitglieder des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung eingereicht haben, wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur aus Mitteln der Volkswagen-Stiftung im Niedersächsischen Vorab mit 100.000 Euro gefördert. Die Forscherinnen und Forscher nehmen historische, literarische und populärkulturelle Erzählungen und Normierungen von Abstammung und Verwandtschaft in den Blick und fragen nach den Auswirkungen moderner Reproduktionstechniken auf das aktuelle Verhältnis von Biologie, Reproduktion und Genealogie. Eröffnet wird „Verwandtschaft neu denken“ mit der internationalen Konferenz Contested Kinship: Towards a Redefinition of Human Relations, die vom 14. bis 16. März 2019 in der Paulinerkirche stattfinden wird. Interessierte sind herzlich willkommen.


Weitere Informationen:
Contested Kinship: Towards a Redefinition of Human Relations
Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur
Pressemitteilung der Universität Göttingen


Gender and Violence in the Contexts of Migration and Displacement

The Working papers series Gender Thoughts announces its first special issue titled Gender and Violence in Contexts of Migration and Displacement, edited by Susanne Hofmann and Hatice Pınar Şenoğuz. The working papers explore different forms of gender violence emphasising the role of power in relation to various kinds of gender violence, and paying attention to the intricate inequalities that structure victims’ lives. The authors contribute to intersectional and actor-focused understandings of gender violence in conditions of mobility within or across borders of nation states.

Content:
  • Introduction to the Special Issue: Gender and Violence in Contexts of Migration and Displacement by Dr. Susanne Hofmann & Dr. Hatice Pınar Şenoğuz

  • National Belonging and Violent Norms of Gendered Migrant Citizenship: Indonesian Migrant Domestic Workers’ Appropriation of a National Ritual by Samia Dinkelaker

  • Song of My Mother: Remembering and Representing the Forced Displacement and Resettlement of Kurdish Women by Tebessüm Yılmaz

  • Biopolitics and Displaced Bodies: Challenging Message and Representation in Refugee Art by Güler İnce


  • Statement des Göttingen Centrums für Geschlechterforschung zu sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt im Hochschulkontext

    Das Göttinger Centrum für Geschlechterforschung (GCG) ist sich über das Ausmaß an sexualisierter Gewalt und sexueller Belästigung an Hochschulen und Universitäten bewusst. In einer Expertise der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wird das Erleben von sexualisierter Gewalt an Hochschulen als eine „schrecklich normale“ Erfahrung bezeichnet: Nach einem Länderbericht einer EU-weiten Studie über sexuelle Belästigung und Gewalt an weiblichen* Studierenden waren 54,7 % der befragten Studentinnen* – also jede zweite – während der Zeit des Studiums sexuell belästigt worden, 3,3 % erlebten sexualisierte Gewalt. Ebenso betroffen von Belästigung und Gewalt sind aber auch Personen, welche als „geschlechtsuntypisch“ wahrgenommen werden, insbesondere Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und intergeschlechtliche Personen. Sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt gehen daher Hand in Hand mit anderen Formen der Diskriminierung (wie z. B. Rassismus oder Ableismus) und können durch diese zusätzlich verstärkt werden

    Sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung sind daher keine Einzelfälle an der Hochschule, sondern stellen eine Form der Machtausübung dar, die aus strukturellen Ungleichheitsverhältnissen und einer heteronormativen Geschlechterordnung hervorgeht. Universitäten sind nach wie vor durch Alltagssexismus und strukturelle Heteronormativität sowie die Unterrepräsentation von Frauen in leitenden Positionen – insbesondere auf der Ebene von Professor*innen – gekennzeichnet. Dazu kommen studienbedingte oder positionsbedingte Abhängigkeitsverhältnisse von Dozent*innen oder Vorgesetzten sowie insgesamt die prekären Beschäftigungsverhältnisse an deutschen Hochschulen, welche vorhandene Verletzungsoffenheiten zusätzlich verstärken. Nicht zuletzt auch weil die Hochschule als „rationaler Raum“ imaginiert wird, erscheint eine Thematisierung von sexualisierter Gewalt, sexueller Belästigung und anderen Formen der Diskriminierung und Abwertung hier besonders schwierig.

    Eine kontinuierliche wissenschaftliche Analyse von Geschlechterverhältnissen und die Beschäftigung mit Heteronormativität und intersektionalen Ungleichheitsverhältnissen stellt einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung solcher Strukturen dar. Das Göttinger Centrum für Geschlechterforschung (GCG) setzt sich universitätspolitisch und forscherisch für eine Veränderung dieser Strukturen ein und möchte dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für Studium, Forschung und Lehre durch eine Stärkung von anti-diskriminatorischen und gleichstellungspolitischen Maßnahmen, Regelungen und einer Ethik und Politik der Achtung und Gleichstellung zu verändern, um Studium und Arbeit an der Hochschule unter respektvollen und die körperliche Integrität jeder*s Einzelnen achtenden Bedingungen zu fördern. Zur Förderung einer hochschulinternen und gesellschaftspolitischen Sichtbarkeit des Themas plant das GCG für das Sommersemester 2019 weitere Veranstaltungen zu sexueller Belästigung, sexualisierter Gewalt und Diskriminierung an Hochschulen.




    Verbot des Studienfachs Geschlechterforschung in Ungarn

    Im August verkündete Regierungschef Orbán es: Er will die Geschlechterforschung in Ungarn abschaffen. Er sieht sie als Angriff auf die "Fundamente der christlichen Familie". Das ungarische Netzwerk der Universitätsdozierenden konnte in kurzer Zeit viele Unterstützer_innen einer Petition gegen dieses Verbot mobilisieren und es sah zunächst so aus, als könne das Verbot nicht durchgesetzt werden. Nun hat sich die Lage verändert, wie der Deutschlandfunk und ZEIT ONLINE berichten: "Die Regierung von Viktor Orbán hat die Gender-Studies aus der Liste der zugelassenen Masterstudiengänge gestrichen."
    Eine Zusammenfassung über die Auseinandersetzung zu diesem Thema stellen wir hier zur Verfügung.